Was macht am Ende die entscheidenden Sekunden aus – der Start, die Wende oder die freie Schwimmgeschwindigkeit? Eine aktuelle Analyse von 681 Langbahnrennen aus internationalen Junioren- und Elitewettkämpfen liefert darauf eine differenzierte Antwort.
Bei Sprintstrecken besitzt der Start einen besonders hohen Stellenwert. Über 200 und 400 Meter steigt dagegen die Bedeutung der Wenden. Über nahezu alle Distanzen hinweg bleibt die Geschwindigkeit im freien Schwimmen allerdings der größte Einzelbeitrag zur Gesamtzeit.
Technik muss streckenspezifisch werden

Für die Trainingssteuerung bedeutet das: Techniktraining sollte nicht für jeden Schwimmer gleich aussehen. Ein 50-Meter-Spezialist benötigt andere Schwerpunkte als ein 400-Meter-Schwimmer.
Sprinter profitieren besonders von einem explosiven Start und einer leistungsfähigen Unterwasserphase. Auf 200 und 400 Metern wird zusätzlich entscheidend, wie schnell und reproduzierbar jede einzelne Wende ausgeführt werden kann.
Wer analysiert, in welcher Rennphase die größte Zeit verloren geht, kann das Techniktraining deutlich gezielter gestalten.
Die Bedeutung verändert sich mit der Wettkampfstrecke
Die Ergebnisse verdeutlichen, warum eine einzige technische Kennzahl kaum ausreicht, um Schwimmleistung zu beurteilen. Bei 50 Metern kann ein schwacher Start einen erheblichen Teil der Gesamtleistung kosten, weil die Startphase einen vergleichsweise großen Anteil am Rennen einnimmt. Mit zunehmender Strecke verschiebt sich dieses Verhältnis.
Bei 200 und 400 Metern treten mehrere Wenden auf. Jede einzelne bietet die Möglichkeit, Zeit zu gewinnen – oder zu verlieren. Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Fähigkeit, die freie Schwimmgeschwindigkeit über längere Zeit stabil zu halten.
Das bedeutet auch, dass zwei Schwimmer mit nahezu identischer Endzeit völlig unterschiedliche Leistungsprofile besitzen können. Der eine gewinnt am Start und verliert im freien Schwimmen, der andere startet langsamer, ist aber zwischen den Wänden deutlich stärker.
Von der Endzeit zur Rennstruktur
Für Trainer ist deshalb die Aufteilung eines Rennens in einzelne Phasen besonders wertvoll. Schon einfache Videoaufnahmen können helfen, Startzeit, 15-Meter-Zeit, Wendenabschnitte und reine Schwimmgeschwindigkeit getrennt zu beurteilen.
Auf dieser Grundlage kann das Training gezielter werden. Ein Sprinter mit hervorragendem Start, aber schwächerer Geschwindigkeit im zweiten 25-Meter-Abschnitt benötigt einen anderen Schwerpunkt als ein Athlet, der im freien Schwimmen konkurrenzfähig ist, aber an jeder Wand Zeit verliert.
Die große Stärke solcher Rennanalysen liegt darin, dass sie aus einer einzigen Endzeit mehrere konkrete Trainingsaufgaben machen. Techniktraining wird dadurch messbarer. Statt allgemein an „besseren Wenden“ zu arbeiten, kann beispielsweise ein klarer Zielwert für die Zeit von fünf Metern vor bis zehn Meter nach der Wand definiert werden.
FACHLICHE QUELLE
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41780505/
