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Der Mythos vom möglichst langen Zug

Eine neue Studie zu Zuglänge, Zugfrequenz und Gleitzeit zeigt, warum ein längerer Zug nicht automatisch effizienter oder schneller ist.

„Mach den Zug länger“ gehört zu den häufigsten Technikhinweisen im Schwimmen. Dahinter steckt die richtige Idee, nicht mit hektischen, kurzen Bewegungen durchs Wasser zu arbeiten. Doch eine 2026 veröffentlichte biomechanische Untersuchung zeigt, wie gefährlich eine einzelne Kennzahl werden kann.

Zwölf lizenzierte männliche Freistilschwimmer wurden über 25 Meter analysiert. Erfasst wurden unter anderem Zugzahl, Zuglänge, Zugfrequenz und Gleitzeit.

Länge allein sagt wenig

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In dieser Stichprobe waren schnellere Zeiten mit höherer Zugfrequenz und einer effektiven Nutzung der Gleitphase verbunden. Eine größere Zuglänge war dagegen nicht automatisch ein Zeichen für bessere Leistung.

Das klingt zunächst paradox. Die Erklärung ist einfach: Ein Schwimmer kann die Zuglänge künstlich vergrößern, indem er zwischen den Zügen zu lange wartet oder die Frequenz so stark reduziert, dass die Geschwindigkeit absinkt.

Effizienz ist ein Gleichgewicht

Entscheidend ist deshalb nicht die maximal mögliche Distanz pro Zug, sondern das Verhältnis von Zuglänge und Zugfrequenz bei einer bestimmten Geschwindigkeit.

Ein Sprinter benötigt ein anderes Optimum als ein Langstreckenschwimmer. Auch Körpergröße, Kraft, Wasserlage und Schwimmart verändern dieses Verhältnis.

Was Trainer daraus machen können

Zugzahl bleibt eine nützliche Größe – aber nur zusammen mit Zeit und Frequenz. Beispielsweise kann eine Serie mit gleicher Zielzeit geschwommen werden, während beobachtet wird, wie sich Zugzahl und Frequenz verändern.

Wird die Zugzahl niedriger, aber die Zeit gleichzeitig schlechter, ist das nicht automatisch ein technischer Fortschritt. Wird dagegen bei gleicher oder höherer Geschwindigkeit mit stabiler Wasserlage und kontrollierter Frequenz geschwommen, wird die Information interessant.

Die Studie ist klein und ausschließlich mit männlichen Freistilschwimmern durchgeführt worden. Ihre wichtigste Botschaft ist trotzdem stark: Eine schöne Kennzahl ist noch keine gute Technik.

Eine Zahl braucht immer eine zweite Zahl

Wer mit Zugzahl arbeitet, sollte deshalb mindestens die Zeit dazuschreiben. Noch besser ist die Kombination aus Zeit, Zugzahl und Frequenz. Erst diese drei Größen zeigen, ob ein längerer Zug tatsächlich effizienter wird oder ob der Schwimmer lediglich länger zwischen den propulsiven Phasen wartet.

FACHLICHE QUELLE
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42298694/